Gabriele ist 52 und Mutter von zwei Kindern aus erster Ehe. Über eine Zeitungsannonce lernte sie ihren jetzigen Mann Martin kennen und führt seit knapp 10 Jahren eine glückliche Ehe mit ihm. Er ist ebenso 52 und arbeitet in der IT-Abteilung eines großen Konzerns. Sie haben ineinander ihre Seelenverwandten gefunden. Eigentlich ist alles so, wie es in einer perfekten Ehe sein sollte, würde da nicht diese dunkle Wolke über ihnen schweben: Martin leidet unter starken Depressionen.

Wann wurde die Krankheit zum Thema in eurer Beziehung?

Martin: „Als ich Gabi damals kennenlernte, wusste ich nicht, wie sie reagieren würde. Ich bin froh, dass ich direkt mit offenen Karten gespielt habe, denn meine Frau hat trotz allem keine Sekunde an uns gezweifelt.“

Dein Mann hat starke Depressionen Gabriele, wie wirkt sich das auf eure Ehe aus?

Gabriele: Naja sagen wir es so: „Es gab natürlich einige Momente, die unsere Ehe wirklich auf die Probe gestellt haben, aber ich habe immer die schönen Seiten in unserer Beziehung gesehen. Klar belastet mich Martins Verhalten manchmal sehr, aber ich unterstütze ihn so gut ich kann und ich weiß, wie gut sein Herz ist und meine Liebe zu ihm ist so groß, dass ich alles akzeptieren kann."

Martin, hat sich deine Krankheit gebessert seit du mit Gabriele zusammen bist?

„Dank meiner Frau habe ich gelernt, dass ich die Oberhand über meine Krankheit haben muss und mich nicht von ihr leiten lassen darf. Klar kann ich den Depressionen nicht entfliehen, aber ich kann mich dagegen wehren. Ich nehme mittlerweile bessere Tabletten und besuche einmal die Woche einen Therapeuten. An „dunklen“ Tagen denke ich an meine Gabi und weiß, wofür es sich lohnt zu leben.“

Was war das Schlimmste im Zusammenhang mit den Depressionen, an das ihr euch erinnern könnt?

Gabriele: „Die schlimmste Situation, an die ich mich zurückerinnern kann, war auf einer Familienfeier. Alle waren fröhlich am Essen, Trinken, Quatschen, Feiern, als mein Mann seine Jacke nahm, mir in die Augen sah und sagte <Ich bringe mich jetzt um!>. Er verließ das Restaurant, setzte sich ins Auto und fuhr nachhause. Ich wusste nicht wie mir geschieht und war erstmal perplex, folgte ihm jedoch dann und nahm in einfach nur in den Arm.“

Martin: „Im Nachhinein weiß ich nicht, was da in mich gefahren war. Es waren vermutlich all die glücklichen Menschen um mich herum, die mir einfach zu viel wurden. Ich weiß nicht, was gewesen wäre, wenn Gabi in diesem Moment nicht mal wieder für mich da gewesen wäre.“

Welchen Tipp könnt ihr anderen Paaren in eurer Situation mit auf den Weg geben?

Martin: „Ich glaube das Wichtigste ist, dass man die Depression nicht auf die leichte Schulter nimmt. Meine Frau erleichtert mir vieles, aber sie kann auch nicht meine ganze Last auf ihren Schultern tragen. Manchmal braucht es einfach eine gewisse Überwindung sich aufzurappeln und eine Fachkraft hinzuzuziehen, aber letztlich ist mir mein Therapeut auch eine große Hilfe.“

Gabriele: „Wenn die Liebe stark genug ist, dann braucht man glaube ich gar keine Tipps, dann macht man einfach.“

Gabriele und Martin haben uns bestätigt: Eine starke Partnerschaft kann wahres Futter für eine glückliche Seele sein. Wenn wir unsere Liebe mit dem Partner teilen und ihm Halt geben, dann lassen sich auch schlechte Tage besser ertragen. Dennoch sollte man psychische Erkrankungen nicht auf die leichte Schulter nehmen und immer professionelle Hilfe hinzuziehen.