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Beziehung trotz psychischer Erkrankung – Tipps für den Partner

Eine psychische Erkrankung stellt Beziehungen auf die Probe. [1]

Unsere 10 Tipps beziehen sich hauptsächlich auf die Perspektive des Partners/der Partnerin eines/einer Betroffenen. Da psychische Probleme sich oft als diagnositizierbare Krankheiten herausstellen, ist es schwierig, Betroffenen Verhaltensratschläge zu geben. Erkrankte können durchaus an sich selbst arbeiten, müssen ihre Krankheit dafür aber akzeptieren und bereit dazu sein, sich auf fremde Hilfe einzulassen.

Tipps zu geben, wie man sich als psychisch Erkrankter/Enkrankte in einer Partnerschaft verhalten sollte, ist entsprechend nur sehr bedingt möglich. Die größte Herausforderung für Depressive ist etwa die fehlende Motivation. Diese wieder herzustellen ist für Erkrankte selbst meist unmöglich, die Unterstützung anderer ist hier unabdingbar. Folglich sollen unsere Tipps primär den Partnern/Partnerinnen psychisch erkrankter Menschen ein Leitfaden sein.

Tipp 1 – Erkenne die Krankheit an

 

Die psychische Erkrankung als solche anzuerkennen, ist für die erfolgreiche Behandlung wichtig. [2]Psychische Probleme sollten nicht unterschätzt und die Krankheit als solche anerkannt werden. Ebenso wie andere Krankheiten kann beispielsweise auch eine Depression erfolgreich behandelt werden. Nicht nur der/die Erkrankte sollte die Krankheit als behandelbar annehmen, auch vom Partner/von der Partnerin ist Akzeptanz gefragt. Nur wer sich damit auseinandersetzt, womöglich an einer psychischen Krankheit zu leiden, kann aktiv an der Genesung arbeiten.

 

Tipp 2 – Hilfe in Anspruch nehmen

 

Nimm bei einer psychischen Erkrankung auch als Partner Hilfe in Anspruch. [3]Grundsätzlich sollte man psychische Erkrankungen nicht auf die leichte Schulter nehmen. Erkrankte sollten sich ihr Krankheitsbild vor Augen führen und sich ihrem Partner gegenüber offen verhalten. Die Verheimlichung der Krankheit bringt der Beziehung nur zusätzliche Probleme. Offenheit ist das A und O. Wer seinen Partner wissen lässt, was ihn belastet, stößt eher auf Verständnis und Unterstützung. Dennoch sollte man sich nicht hinter seiner Diagnose verstecken. Mit einem „So bin ich halt!“ sollten Unstimmigkeiten nicht abgetan werden. Und auch als Partner/Partnerin eines/einer Erkrankten darf man auf Hilfe zurückgreifen. Oft halten Psychologen nämlich auch für die Lebensgefährten wichtige Tipps bereit.

 

Tipp 3 – Informiere dich

 

Wer einen Partner mit einer psychischen Erkrankung hat sollte sich informieren. [4]Wenn dein Partner/deine Partnerin seine/ihre Krankheit erst einmal akzeptiert hat, ist es auch deine Aufgabe, dich zu informieren. Nur wenn du über die Erkrankung Bescheid weißt, kannst du die Symptome und Verhaltensmuster einordnen und entsprechend besser damit umgehen. Das Problem, nicht zwischen Krankheitssymptomen und „normalem Stimmungstief/Streit“ differenzieren zu können, kannst du so zumindest bedingt etwas eindämmen.

 

Tipp 4 – Übe dich in Geduld

 

Die Behandlung von Depressionen und anderen psychischen Störungen erstreckt sich oft über eine lange Zeit. Durchhaltevermögen und viel Geduld sind zweifelsohne die wichtigsten Eigenschaften, die man als Partner/Partnerin eines/einer Erkranken einbringen sollte. Zudem sollte man sich dessen bewusst sein, dass sowohl die Krankheit an sich als auch die Psychopharmaka zu einer Veränderung des Partners/der Partnerin führen können.

Aussprüche wie „Du bist nicht mehr du selbst!“ sind in diesem Fall nicht nur unangebracht, sondern auch kontraproduktiv. Meist sind sich die Betroffenen dessen nämlich sehr bewusst, Vorwürfe und Bestätigungen können nur noch weiter in den seelischen Teufelskreis hinein führen. Frage dich auch, was du dir selbst von deinem Partner/deiner Partnerin wünschen würdest. Ginge es dir schlecht, würdest du dir wünschen, dass er/sie dir Nähe zeigt oder dich eher zurückziehen? Oft kann dieser Perspektivwechsel zu neuer Einsicht führen und den Umgang mit der Situation vereinfachen.

 

Tipp 5 – Nimm dir deine Ungeduld aber nicht übel

 

Mit der Zeit wirst duBei einer psychischen Erkrankung muss man sich in Geduld üben. [5] zu einem Punkt kommen, an dem du ungeduldig wirst, weil eine Besserung nicht schnell genug eintritt. Für deine Ungeduld musst du dich keineswegs schämen. Denn sie ist ein Mittel, um Energien freizusetzen und Veränderungen herbei zu führen. Akzeptanz der Krankheitssituation könnte zur Resignation führen, dein kranker Partner/deine kranke Partnerin verschließt sich nur noch mehr und akzeptiert den Zustand selbst als normal. Der Wunsch nach Genesung muss nicht aus den Augen verloren werden. Weniger die Akzeptanz der Erkrankung soll im Vordergrund stehen, vielmehr geht es darum, Ungeduld und Kritik sensibel zu äußern.

 

Tipp 6 – Biete deine Hilfe an

 

Dem/der Betroffenen das Gefühl zu geben, immer eine Stütze zu haben, ist äußerst wichtig. Alleine das Gefühl zu haben, sich stets auf jemanden verlassen zu können, kann den Genesungsprozess unterstützen. Nichtsdestotrotz sollte sich der Partner nicht daran gewöhnen, dass du immer auf Abruf bist. Denn so bringt man sich nur selbst in ein Abhängigkeitsverhältnis und suggeriert dem Hilfe anzubieten ist bei einer psychischen Erkrankung wichtig. [6]Partner zudem seine ständige Bereitschaft als Normalität. Und was normal ist, wird nicht mehr gewürdigt.

Um seinem Partner weiterhin das Gefühl zu geben, alles für dessen Genesung zu tun, müsstest du immer weitere Maßnahmen ergreifen. Letztlich eine Endlosspirale, die zulasten deines eigenen Energiehaushalts ausfällt. Halte dir immer vor Augen, dass du nicht der Therapeut, sondern der Lebensgefährte/die Lebensgefährtin bist. Erkenne die Schwere der Krankheit an und unterschätze sie nicht. Sollte sich dein Partner/deine Partnerin zu einer Therapie entschließen, könntest du ihn bei dem Schritt unterstützen und beispielsweise den Termin beim Psychologen gemeinsam mit ihm/ihr vereinbaren.

 

Tipp 7 – Ausgleich schaffen

 

Der Umgang mit psychisch kranken Menschen kann auch bei den Angehörigen zu Stimmungstiefs führen. Die Aufgabe, für den anderen da zu sein und das über eine sehr lange Zeit, kann belastend sein und an den eigenen Kräften zHat man einen Partner mit einer psychischen Erkrankung muss man sich auch mal Zeit für gönnen. [7]ehren. Deshalb ist es unbedingt ratsam, sich auch Zeit für sich selbst einzuräumen. Viele depressiven Menschen ziehen sich aus ihrem Freundeskreis zurück, scheuen soziale Kontakte. Oft ziehen sie auch ihren Lebenspartner/ihre Lebenspartnerin in diese Isolation. Wer mit einem/einer psychisch Erkrankten zusammenlebt, muss aber keinesfalls ein schlechtes Gewissen haben, weil man sich selbst etwas gönnt. Der Umgang zu anderen Menschen schafft nicht nur Ablenkung, sondern auch eine gesunde Distanz zur Erkrankung des Partners/der Partnerin. Außerdem dienen soziale Kontakte und Zeit für sich dazu, die Traurigkeit des Partners zu kompensieren. Auch Sport oder andere Hobbys können für Ausgleich sorgen.

Gestehe dir auch deine eigenen Gefühle und Sorgen ein und suche bei anderen ein offenes Ohr. So verteilst du die seelische Belastung, die durch die Partnerschaft entstehen kann und kannst neue Energie aufbringen, um den Weg durch die Krankheit gemeinsam mit dem Partner/der Partnerin über längere Zeit zu beschreiten. Auch die Unterstützung anderer solltest du in Anspruch nehmen, sei es von Freunden oder Familie.

 

Tipp 8 – Vermeide Vorwürfe

 

Damit ist nicht nur gemeint, dass du Vorwürfe an deinen Partner/deine Partnerin vermeidest, sondern auch an dich selbst. Es ist vermutlich normal, dass einen früher oder später die Angst beschleicht, man könnte Schuld an der KVorwürfe bringen bei einer psychischen Erkrankung gar nichts. [8]rankheit des Partners/der Partnerin sein. Viele Streitigkeiten in der Beziehung werden rückblickend so fälschlich als Ursprung der Erkrankung eingestuft. Meist rühren die Ursachen aber von viel tiefergründigen Problemen, auf die die Beziehung keinen Einfluss hatte.

Auch Vorwürfe an den erkrankten Partner sollten natürlich umgangen werden. Gerade zum Erkrankungsbild von Depressiven gehören starke Selbstzweifel und Schuldgefühle dazu. Durch Vorwürfe die Gewissheit zu bekommen, dass der/die Erkrankte dir Leiden bereitet, ertragen Depressive oft nicht.

Tabu sind außerdem Beschimpfungen und Appelle nach dem Muster „Reiß dich zusammen“ oder „Lass dich nicht so gehen“. Schließlich haben psychisch Kranke schon Selbstzweifel genug, die Bestätigung durch andere reißt sie nur noch mehr in die Krise.     

 

Tipp 9 – Erfolgserlebnisse schaffen

 

Erfolgserlebnisse sind bei der Behandlung einer psychischen Erkrankung wichtig. [9]Die beste Methode, um Zweifeln entgegen zu wirken, sind Erfolgserlebnisse. Vor allem depressive Menschen sind oft antriebs- und motivationslos, können sich nicht dazu aufraffen, sich für irgendetwas zu begeistern. Als Partner/Partnerin eines/einer psychisch Erkrankten sollte man sich darauf einstellen, dass der/die Kranke sich zurückzieht, weniger Aufgaben übernimmt und kaum noch Entscheidungen trifft. Das erhöht gerade bei Paaren, die zusammenleben, den Mehraufwand für den gesunden Part. Es ist der falsche Weg, dem instabilen Partner/der instabilen Partnerin alle Pflichten abzunehmen. Überfordern sollte man ihn aber auch nicht. Das richtige Mittelmaß muss gefunden werden, damit der Partner/die Partnerin die Erfahrung machen kann, auch selbst etwas umgesetzt zu bekommen. Auch Sport und andere Hobbys können zu Erfolgserlebnissen führen und diese wiederum sind der Ausweg aus der Krankheitsspirale.

Motivation ist der Schlüssel zum Erfolg. Wer es schafft, seinen Partner selbst für kleine Dinge begeistern zu können, hat gute Chancen, gemeinsam mit ihm/ihr einen Weg aus der Krankheit zu finden. Lobe deinen Partner/deine Partnerin auch für kleine Erfolge, selbst dann, wenn er/sie das Lob entwertet und für nichtig erklärt. Unterschwellig registriert man auch Lob für oberflächlich unwichtig Erscheinendes.

Auch Zuversicht hilft weiter. Eine psychische Krankheit kann zwar chronisch sein, es wird aber immer auch positive Phasen geben. Glaube daran, dass dein Partner/deine Partnerin gesund wird, mach ihm Mut und lass ihn deine Zuversicht spüren.

 

Tipp 10 – Struktur schaffen

Die Annahme, dass sich Menschen, die sich sozial zurückziehen, viel Kontakt mit anderen haben müssten, stimmt nur bedingt. Feiern und ähnliche Veranstaltungen sollten nur dann aufgesucht werden, wenn der Zustand des/der Erkrankten es zulässt. Anderenfalls kann die „Flucht nach vorne“ nur zusätzlich belasten und die Depression verschlimmern. Das sollte im Umgang mit einem depressiven Menschen bedacht werden.

Sinnvoller ist es, Struktur in den Tag zu bringen, um der Antriebslosigkeit entgegenzuwirken. Dabei ist es nicht unbedingt nötig, sich den Tag mit Aufgaben voll zu packen. Es reicht schon, eine Aufgabe pro Tag zu planen, beispielsweise den Abwasch zu erledigen. Auch feste Aufstehzeiten bringen Struktur in den Tag.